Verdrängte Desaster

„Wir können Probleme nicht mit den Denkmustern lösen, die zu ihnen geführt haben“

Albert Einstein

Der Glaube an die Machbarkeit nahezu jeder technischen Zielsetzung und die dadurch zu erreichende Verbesserung der Lebensverhältnisse hat sich seit dem Beginn der Industrialisierung, zunächst nur von den Technikern selbst verbreitet, auf die Mehrheit der Bevölkerung und fast alle Angehörigen der Eliten der Industrieländer ausgebreitet. Zunehmend sind auch die Eliten der „Dritten Welt“ überzeugt davon, dass die Technik ihnen das „gute Leben“ bringen wird.

Allerdings sind dabei die ökologischen und sozialen Folgen des breitflächigen Einsatzes dieser Artefakte zunächst ebenso verdrängt worden wie die Misserfolge von Technologien, die zu Beginn ihrer Entwicklung mit großen Hoffnungen auf eine grundlegende Verbesserung der Lebensverhältnisse und mit dementsprechend viel Geld und unter Einsatz erheblicher stofflicher wie energetischer Ressourcen vorangebracht wurden. Das spektakulärste Beispiel ist die Energiegewinnung aus Kernkraft.

Eigenartigerweise sind jedoch bislang diese Misserfolge kaum Gegenstand gesellschaftlicher Wahrnehmung oder Aufarbeitung der Faktoren, die zu den gewaltigen Investitionen und schließlich zum Scheitern geführt haben. Weiterhin wird für neue Technologien fast jede optimistische Voraussage über ihre Realisierbarkeit und ihre positiven gesellschaftlichen (inzwischen auch ökologischen) Wirkungen bereitwillig geglaubt und als „Heilsversprechen“ kolportiert.

So wird aktuell z.B. die CCS-Technologie als Hoffnungsträger für eine „CO2-freie“ Energieerzeugung aus Kohle propagiert, obgleich es völlig ungeklärt ist, wie die nötigen technischen und Randbedingungen erfüllt werden könnten; für „Stuttgart 21“ werden völlig unrealistische Planungen und Berechnungen immer noch zugelassen, obgleich inzwischen auch die „Bevölkerung“, sensibilisiert u.a. durch Fukushima, mit wachsender Skepsis reagiert und auch viele Techniker in Anwendung ihrer professionellen Grundsätze warnen.

Projektidee:

  1. Recherchen zur Differenz zwischen Versprechen und Realität für ausgewählte Technologien, die weniger in der Debatte sind als z.B. Atomkraft. Pragmatische Auswahl je nach Zugänglichkeit von Material.
  2. Schlaglichtartige Beleuchtung der Rezeption der Versprechen und „Visionen“ in Öffentlichkeit und Politik.
  3. Frage nach dem „Warum“ für die Beweihräucherung vorher und spätere Ignorierung der Resultate: Interessen der Beteiligten, Unwissen, säkularer Wunderglaube.
  4. Schlussfolgerungen für Öffentlichkeit und Politik, Publikationsstrategie.

Zielsetzung: Realistischere Betrachtung von Techno-Visionen, besserer Bezug zu den gesellschaftlich-ökologischen Notwendigkeiten.

Informationen zu „Verdrängte Desaster“

Coltan-Erz

Der Journalist Frank Poulson hat einen Film über die Gewinnung von Coltan Erz im Kongo gedreht. In diesem Film zeigt er auf unter welchen brutalen Bedingungen eines der wichtigsten Erze für die Weltindustrie produziert wird. Ohne Coltan würde zum Beispiel kein Handy funktionieren. Aus diesem Grund beschäftigte er sich auch mit den Handyherstellern und ihrer Verantwortung für die Menschen im Kongo. Die Firmen weigern sich allerdings zu diesem Thema Stellung zu beziehen. Titel Thesen Temperramente brachte am 2.10.2011 einen Bericht über diesen Dokumentarfilm, den ihr euch hier ansehen könnt.

Die Schutzhülle von Tschernobyl

Deutschlandfunk stellt in einem Beitrag die Frage ob eine neue Schutzhülle für den Atomreaktor in Tschernobyl überhaupt von Nöten ist. Da verschiedene Wissenschaftler, die nach der Katastrophe vor Ort waren, sagen die Explosion war schlimmer als durch die UdSSR damals Angegeben und es sei kaum noch radioaktives Material in den Brennkammern vorhanden. Es wird die Frage gestellt ob es hier bei nicht einzig und allein um ein gewaltiges Geschäft für die Europäischen Atomfirmen geht. Zum Beitrag kommtdes DLF kommt ihr hier.

Poster zu Verdrängte Desaster

(Vorgestellt auf der Rüstungsforschungskonferenz „Nein zur Militarisierung von Forschung und Lehre – Ja zur Zivilklausel“, Braunschweig, 27.-29.5.2011)


Mit Vollgas gegen die Wand – Globalisierte Wirtschaft: Der hartnäckige Glaube an Wachstum, Wettbewerb um die Heilsversprechen der Technick wird zu einer existenziellen Gefahr für alle

(Artikel von Wolfgang Neef im Freitag vom 19.1.2007)